Wohl kaum ein
Accessoire läßt sich auf so vielfältige Weise herstellen wie ein Hut.
Hier die wichtigsten Möglichkeiten der handwerklichen Herstellung im
Überblick:
Filzhut
Ein Filzhut wird aus einer Stumpe oder Capeline hergestellt.
Die Stumpe ist zunächst sehr weich. Sie muß gesteift werden, bei Hüten
nennt man das "Appretieren".
Neben vielen Möglichkeiten aus Naturstoffen, die leider allesamt
wasserlöslich sind, hat sich die Appretur auf Kunstharzbasis bewährt.
Dafür wird der Hut mit einem Pinsel
gegen der Urzeigersinn gleichmäßig eingepinselt. Wichtig ist, dass das
einstreichen mit gleichmäßigen Bewegungen geschieht, denn wo zuviel
ist, entstehen harte Flecke. Danach muß die Stumpe gut trocknen.
In dieser Zeit bereitet man die
Holzform vor. Sie muß in eine Plastikfolie eingepackt werden, damit sie
sauber bleibt. Bei Hutformen paßt man zwei dünne Kordeln an die Länge
vom Rand und von Kopf an.
Viele Stahlstecknadeln , eine kleine Zange und den Stahlfingerhut
bereit legen. Ebenso Bügeleisen und Leinen-/Baumwolltücher.
Ist das geschehen, wird die Stumpe
eingeweicht. Bei sehr hochwertigen, leichten Materialien reicht ein
anfeuchten mit einem nassen Lappen.
Die feuchte Stumpe wird nun mit Wasserdampf weich gemacht. Um so heißer
sie ist, um so besser läßt sie sich verarbeiten. Allerdings darf sie
nicht völlig aufweichen, damit sie nicht reißt.
Die weiche Stumpe wird nun über die
komplette Form gespannt.
Das kann schon mal richtig anstrengend werden!
Danach wird der Kopfsitz - das ist die Linie zwischen Hutkopf und
Hutrand- mit dem Bügeleisen eingebügelt, es wird die Kordel gespannt
und so fest gezogen und mit Nadeln fixiert, dass sie fest anliegt.
übrigens: Nur sehr elastische und gesunde Fingernägel überstehen das!
Dann wird mit dem Bügeleisen der Rand
glattgebügelt, mit der Kordel und Stecknadeln in der dafür vorgesehen
Rille fixiert.
Nach dem Trocknen löst man den Hut von der Form. Der Hut bekommt einen
Saum, dass nennen die Modisten Bridé, gedrahtet, eingefaßt oder
geschnitten. Er bekommt ein Futterband im Kopfsitz, und jetzt kommt
das, was richtig Spaß macht:
Er wird geschmückt! Wir Modisten nennen sowas "Garnieren", hat aber
normalerweise nichts mit Essen zu tun (wobei im Hut-Design
grundsätzlich alles möglich ist). Dabei muß man sehr sorgfältig darauf
achten, dass man den Hut nicht knickt oder verbiegt und er dadurch die
Form wieder verliert.
Strohhut
Einen Strohhut "zieht" und "presst" man genauso wie einen Filzhut,
man verwendet dafür am besten Exotnstroh.
Alles geht sehr viel schwerer, dauert länger und man muß sehr
aufpassen,
dass der Hut nicht die Form verliert oder knickt.
Auch bekommt man leicht Blasen.
Aber keine Angst, es macht vor allem
großen Spaß, ein so wunderbares Stück zu erschaffen!
Das Ergebnis sind unglaublich leichte, zauberhafte Gebilde.
Stoffhut
Hier läuft alles anders, das Modistenhandwerk ähnelt hier dem
Schneiderhandwerk sehr.
Man hat einen Schnitt oder macht sich einen (das ist dann schon was für
Fortgeschrittene!), mit dem man sich Teile aus einem beliebigen Stoff
zuschneidet,
sie mit Vliseline unterlegt und zusammennäht.
Die Teile werden mit einem speziellen
Bügelkissen ausgebügelt,
dann ausgesteppt und verziert.
Die Möglichkeiten sind genauso vielfältig wie die Möglichkeiten bei
anderen Kleidungsstücken und Accesoires.
Einfach mal ausprobieren!
Drahthut
Diese spezielle Art der Hutherstellung eignet sich für aufwendige
Theater- oder Kostümhüte. Man muß sehr geschickt sein.
Aus einem speziellen, mit
Baumwollfaden umwickelten Hutdraht wird eine Grundform hergestellt. Man
muß den Hut auf Papier genau entwerfen, dann werden die Drähte in der
Exakten Länge zugeschnitten und mit zwei Umdrehungen miteinander
verbunden. Diese Drehung muß geübt werden, denn es muß auf Anhieb
klappen. Nach dem ersten Versuch reibt sich der Baumwollfaden auf, auch
bricht der Draht sehr leicht.
Das Ergebnis sind feste Drahtgestelle
als Unterform. Sie werden mit duftigen Stoffen bezogen, die für alle
andere Arten der Stoffhut-Herstellung zu leicht und duftig sind. Man
kann die Drahtform beispielsweise in einem Muster biegen, mit
Effektgarn umwickelt und mit Organza beziehen. Diese Hüte sind als
Brauthüte zu tragen, sehen aber auch einfach als Deko schön aus.
Wenn Sie sich für die industrielle
Herstellung von Hüten interessieren, finden Sie ausführliche
Informationen auf der
Website der Firma Mayser.
© 2010 - Stephanie Nose
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